Lerne Dich liebevoll abzugrenzen “Teil 1 von 2” – von Barbara Heller

Bestimmt beschäftigt Sie auch die beiden Fragen: ‚Wie kann ich lernen, mich besser abzugrenzen?’ und ‚Wie kann ich mich besser schützen?

Diese beiden Fragen sind für uns alle, die sinnvoll und zufrieden leben wollen, wichtig. Für hochsensible Menschen sind sie sogar lebenswichtig. Sie empfinden die eigene Beeinflussbarkeit und die geringe Belastbarkeit als Hindernis. Dies führt dazu, dass die eigenen Ziele zu erreichen und selbstbestimmt und frei zu leben, sich als schwierig erweist.

Geht es Ihnen auch so, dass es Ihnen schwer fällt Grenzen zu setzen, weil Sie Ihrem eigenen Gefühl nicht trauen, zu sagen: „Jetzt reicht es!“ Oft sind wir unsicher, ob wir unserer inneren Stimme trauen können. Oder wir befürchten, dass wir uns mit einem NEIN ins Abseits katapultieren. Daher haben wir uns angewöhnt, dass wir unsere Grenzen weder für uns klar definieren, noch diese anderen mitteilen. Wir hoffen dann, dass sich die Situation von selbst verbessert, was durchaus und zum Glück auch hin und wieder geschieht.

Wenn wir nun eine Antwort auf die beiden oben gestellten Fragen suchen, wissen wir, dass es kein Patentrezept gibt, das für jeden Menschen in jeder Situation funktioniert.

Jedoch können wir das Abgrenzen lernen, wenn Sie die folgenden Hinweise anwenden und immer wieder ausprobieren.

 

Die Wichtigkeit von Grenzen

Sie fragen sich sicher, ob und wann es überhaupt richtig und wichtig ist, sich mit Grenzen zu beschäftigen. Ihre Unsicherheit ist sehr gut verständlich, denn Sie wollen ja nicht egoistisch sein und möchten andere Menschen nicht ausgrenzen oder gar deren Bedürfnisse ignorieren.
Oft zögern wir, Grenzen zu setzen,  insbesondere was unsere Zeit oder unsere Aufmerksamkeit betrifft. Manchmal schaffen wir es nicht, anderen Menschen den ungehinderten Zugang zu uns über Internet oder Telefon einzuschränken, weil wir nicht distanziert, unfreundlich oder unhöflich wirken wollen.
Bauen Sie für sich Schutzzonen, in denen Sie Zeit und Aufmerksamkeit, die Sie für sich nutzen. In diesen Schutzzonen sind Sie gesichert vor den nie endenden Anforderungen, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten, die ansonsten Ihre Tage zerfressen.

 

Grenzen setzen lernen

Wenn wir erkennen, dass es wichtig ist, Grenzen zu setzen, lernen wir auch, sie zu setzten. Manchmal geht es einfacher, manchmal schwieriger, dies tatsächlich mit Erfolg zu tun.

Dafür kann es schwerwiegende Gründe geben:

  • Schuldgefühle
  • 
Grenzüberschreitungen in der Kindheit
  • Schlechte Vorbilder
  • Angst, andere Menschen zu verlieren oder zu verletzen
  • Gefühle von Machtlosigkeit
  • Selbst keine Grenzen akzeptieren können

Geben Sie sich Zeit, diese Hindernisse zu überwinden. Es gibt keine Tricks und Abkürzungen, stellen Sie sich diesem Thema. Es lohnt sich! Ganz ohne Abgrenzungen können wir alle nicht leben. Es ist hilfreich, wenn Sie sich bewusst machen, dass Grenzen, im Gegensatz zu Mauern, durchlässig sind.

Eine Grenze können Sie jederzeit öffnen und liebe Besucher willkommen heißen.

Eine Grenze macht Ihnen und Ihrer Umwelt klar, wofür Sie zuständig sind und wofür nicht. Doch die meisten Menschen denken bei dem Wort ‚Grenze’ an eine Mauer oder sogar an den Eisernen Vorhang. Sie denken, Beziehungen werden zerrissen. Es ist sogar für jede Beziehung förderlich, wenn jeder seine Grenzen einhält und der andere sie auch akzeptiert. Menschen, die keine Grenzen setzen können, müssen sich trotzdem schützen und meist passiert das durch „Mauern“.

Sie erkennen dieses Verhalten an:

  • sie halten andere misstrauisch auf Distanz
  • sie verbergen sich, gehen nicht ans Telefon
  • oft verhalten sie sich schroff oder distanziert
  • häufig reagieren sie mürrisch
  • sie attackieren andere, wenn ihre Mauern überschritten werden

Wie fange und wo fangen Sie an?

Das Leben wird viel schöner, und der Kontakt mit unseren Mitmenschen wird viel erfreulicher sein, wenn wir Grenzen setzen, die durchlässig sind. Wenn wir unseren Mitmenschen klar kommunizieren, wie wir sind und wie wir nicht sind. Grenzen können dicht sein oder durchlässig sein, je nach Bedürfnis des Einzelnen. Auf jeden Fall verstellen sie nicht die Sicht auf die Umwelt. Es ist ein tolles Gefühl, über den sicheren Zaun hinweg, ohne Angst, zu plaudern. Es ist an Ihnen zu bestimmen, wann Sie die Tür der Grenze öffnen.

Finden Sie diese Vorstellung schön? Dann fangen Sie noch heute an, sich mit Ihren Werten, Bedürfnissen und Ängsten zu befassen. Je konkreter umso besser und effektiver! Stellen Sie sich vor, Ihre Grenze ist ein liebevoll gepflegter Gartenzaun. Dieser Gartenzaun ist für alle etwas Erfreuliches und er zeugt von Selbstbewusstsein und von Verantwortungsgefühl.

Im September erscheint der zweite Teil von: “Lerne dich liebevoll abzugrenzen”, dann unter anderem mit Tipps und Tricks, wie du es schaffst deine Grenzen umzusetzen und standhaft zu bleiben!

 

Zum Profil:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.